Matthias Hesselbacher

„Gesang der Sirenen“

Freitag, den 25. Januar 2013, ab 19 Uhr
Dauer: 26. 01. – 15. 03. 2013

geboren 1978 in Stuttgart,lebt und arbeitet in Berlin
2005 – 2011 Johannes-Gutenberg-Universität Mainz ( Prof. Friedemann Hahn), UdK ,Berlin (Prof. Thomas Zipp)
2011 Meisterschüler, Prof .Thomas Zipp, UdK Berlin

PDF download Komplette Ausstellung mit Raumansichten, Werken, Text und CV.

Matthias Hesselbacher tut gut daran, seine Ausstellung „Gesang der Sirenen“ ausgerechnet in der Hafenstadt Hamburg in einem ehemaligen Tresorraum in der Powergalerie zu präsentieren. In der aktuellen Arbeit greift er den seit Jahrtausenden sagenumwobenen Mythos der Sirenen auf, die vorbeifahrende Schiff-Fahrer mit ihrem Gesang betören und anschließend töten wollen. Vor dieser Versuchung gilt es zu schützen, worauf der Ausstellungsort als ehemaliger Tresorraum verweist. Der Künstler nimmt dieses zeitimmanente Thema jedoch nicht erzählerisch historisierend auf, sondern verleiht diesem einen zeitlosen Aktualitätsbezug.

Lustvoll und schwelgerisch grüßen uns von der Leinwand einige Vertreterinnen eigentlich uns paarig bekannter Brustwarzen, die hier eher zufällig vereinzelt, ein schier unendliches Meer der Sirenen erahnen lassen oder uns dieses suggerieren.

So genau kann man es in der Sirenenforschung nicht nehmen, denn niemandem ist es bisher gelungen, deren wahre Anzahl zu bestimmen. Historische Überlieferungen reden von drei oder acht, oder gar noch mehr Sirenen. Auch bei der Namensgebung ist man sich in der Forschung nicht einig. So scheint auch Matthias Hesselbachers Aufstellung mit vier Sirenen, die Berit, Gretchen, Louise und Paula heißen, durchaus plausibel, zumal diese in recht sonderbarer Form (gemeint ist hier der Vorgang der Auflösung durch die Kopiertechnik), zeitgenössischer Pamphlete entflohen sind. Dieses „Entrücken“ der Sirenen schützt uns als Betrachter durch die künstlerische Arbeit jedoch genau davor, in den Bann des nun eher leisen Gesanges der Sirenen gezogen zu werden und ins Verderben zu rennen. Somit kann allen Interessierten ein Besuch der Ausstellung gerade nur empfohlen werden, denn wo hat man sonst die Möglichkeit, dem Gesang der Sirenen ohne Gefahren so nahe zu kommen.

Hesselbachers Werk ist damit jedoch nur im Ansatz kommentiert, lädt es im Detail, zumindest für den aufmerksamen Betrachter, zu einer weitaus vielschichtigen Sichtweise ein, wenn auch die „Marker“ dafür nur sehr subtil gesetzt werden.

Ein kleiner Exkurs über ein Detail sei hierzu erlaubt:
Auf der Einladungskarte zu dieser Ausstellung prangt ein recht detailscharfes Fotos eines Abreißblockes mit dem Titel der Ausstellung, der in nahezu kindlicher Handschrift verfasst ist. Darüber prangt, gedruckt als Signet des Abreißblockes, ein emblematisches H. Steht dieses H für Hesselbacher? Vielleicht ist dieses H aber vom Künstler ein Dreisatz; eine fast allerorts bekannte Kaffee-Haus-Kette amerikanischen Ursprungs, die mit unbegrenztem WLAN-Zugriff wirbt, hat in ihrem Firmenemblem die Sirenen als Wappen aufgenommen und hofft vielleicht darauf, dass wir uns deren Gesang nicht entziehen können. Ein nun darauf aufbauender Gedankenschritt folgt damit einer automatisierten Logik Hesselbachers. Gesteigert wird dieser Dreisatz durch den scheinbar eher zufällig gewählten Hintergrund einer ordinären Raufasertapete, die bestenfalls Abnutzungserscheinungen aufweist und jederorts präsent ist. Ein Bezug zwischen der abgenutzten Tapete zu einem in der Kunstwelt vielzitiertem Ort in Leipzig scheint dabei dann fast zwingend.

Jo Sollich