Felix Weber

Geboren 1965
Lebt und arbeitet in Lenzenbrunn.

Ode an die Freiheit
Ein Wirbel aus Gelb, Blau und Rot, davor eine Bank, die einlädt, das Schauspiel zu betrachten. Das Gemälde Ode an die Freiheit (2011) steht programmatisch für Felix Webers gesamtes künstlerisches Schaffen und für sein Verständnis von Malerei: „Wir haben die Primärfarben, Licht und Dunkelheit und den Malgrund da, und die Freiheit, damit umzugehen. Etwas anderes gibt es nicht.“ Die Ablösung von den Konventionen der Kunst, das andauernde Offenlassen von Möglichkeiten, die Grundkomponenten der Malerei wieder und wieder anfänglich zu mischen, um dadurch zu neuen Werkergebnissen zu gelangen, unbeeindruckt von Stildogmatismen, steht bei Weber im Vordergrund und wird von ihm als Freie Malerei bezeichnet.
Im Sinne dieser ganzheitlich gedachten Malerei gehören seine unterschiedlichsten Werke zusammen, gerade weil sie einander so verschieden sind. Die „Freie Malerei“ Webers vereint figurative, erkennbare, sinnhaltige Malerei mit „abstraktem“, Sinn-freiem Bildwerk. Für ihn ist das Bild im Fluss, Abstraktion liegt über oder unter Figuration, so wie Ebenen in digitalen Bildbearbeitungsprogrammen. Im Unterschied zu den unvollendeten und daher abstrakt gebliebenen Werken eines William Turners ist bei Weber jede Ebene für sich ein möglicher Teil des Gesamtwerks. Nicht sämtliche Bilder „fertig zu malen von einer ‚Idee’ aus“ ist eine notwendige Konsequenz im Anspruch einer Freiheit des Künstlers, der Kunst und des Betrachters: „Wenn ich beides habe: Sinn wie Unsinn, Nicht-Sinn, befreie ich den Betrachter vom Diktat des Bildinhalts und ermögliche ihm/ihr auch in meinen Sinn-tragenden, dadurch diktatorisch wirkenden, Werken die darin waltende malerische wie inhaltliche Freiheit zu erkennen - mir ist im Bild nichts heilig - es wird über- neben- und ver- malt, bis ein mich befriedigender „fertiger“ Zustand erreicht ist.“ Um das Diktat seiner gegenständlichen Malerei zu brechen, integriert Weber darin Fantasiewörter. So wird eine eventuelle Sinnebene durch Worte wie BOPF (2011) oder SCHNÖBES (2011) zerstört, der Interpretationsraum geöffnet und der Betrachter damit integriert. Schrift und Wort sind vertraute Medien im Schaffen des Künstlers, der neben Comics auch Lyrik und Liedtexte verfasst. In seiner musikalischen Arbeit verwendet er Text und Stimme ähnlich um Genre zu erweitern.
Diese Uneindeutigkeit seiner Arbeiten bewirkt eine langzeitige Beschäftigung des Betrachters mit ihnen, da der Interpretationsvorgang nie gänzlich abgeschlossen werden kann.
Weber setzt Freiheit absolut. Deswegen wehrt er sich gegen jede Art von Festlegung gerade auch in seinen abstrakteren Bildern. Die Landschaften oder Wolkengebilde, die sich in Werken wie Alle Wege führen nach Rom (2011), 0T 1 (2011) oder Final Fantasy IX (2011) andeuten, ergeben sich, so der Künstler, aus den Erfordernissen eines zu gestaltenden Bildraums. Als Bildgegenstand haben sie aber ein untergeordnete Rolle. Deutlich wird dies in der variablen Hängung der Bilder. Anders als Baselitz der von „einer Umkehrung des Motivs“ seiner `umgedrehten Bilder’ spricht, sind die Werke für Weber „nicht umgedreht“. Es gibt bei diesen Werken keine endgültige Positionsrichtung: „Sie können so oder auch anders herum hängen.“
Felix Weber geht es in seiner Kunst weder um die malerische Umsetzung einer Idee, noch um die Verfolgung eines bestimmten Stils und dessen Anspruchs. „Die Bilder sind nicht gestisch-expressiv, bzw. sie können das auch sein - darauf hin werden sie über-legt und weiter gearbeitet, es soll alles möglich sein, Stimmung - Nüchternheit, Sinn - Form, es geht um das gültige Bild, genau wie um die nachvollziehbare Aussage, auch um die beste Technik wie den Verzicht gerade darauf.“
Der Künstler wirft die Komponenten der Kunst in die Luft – das bedeutungsgeladene Diktat verpufft. Seine Ode an die Freiheit ist eine Einladung an den Betrachter an dieser Freiheit teilzuhaben.
Cora Waschke
Sämtliche Zitate von Felix Weber stammen aus dem Interview mit dem Künstler von Cora Waschke in der Power Galerie am 13.01.2012