Dominic Wood
Geboren 1974 in Melbourne, Australia lebt und arbeitet in Berlin
1993-96: Victorian College of the Arts (BA of Fine Arts), Australia
Absolute Strukturen
Ein Mediator sollte sowohl im Hier und Jetzt präsent sein als auch im Kontakt zum Übersinnlichen stehen, um höhere Ideen vermitteln zu können.
Der Mediator (2012) von Dominic Wood – eine Säule aus grob bearbeitetem Holz – erstreckt sich in die Vertikale. Er ist in seiner Rundung nicht nur allansichtig, sondern ebenso in alle Richtung kommunizierend. Der goldene Sockel transferiert sein irdenes Holz gleichsam in himmlische Sphären.
Diese ‚Gottesskulptur’ steht in der Ausstellung „THE UNKNOWN GOD. Religion of Art – The Awaking from Hegel“ in der Power Galerie im Frühjahr 2012 am hinteren Ende eines langen Raumes. Eine Art Säulengang aus Woods Beings (2011) weist den Weg. Die Zusammenstellung der Werke lässt den Eindruck eines Kirchenraums entstehen, mit Malereien als Fenster und dem Mediator an Stelle des Kruzifix’. Die beschriebenen Formabweichungen weisen allerdings daraufhin, dass es bei Wood nicht um die eine Religion geht, sondern um allgemeine Strukturen im Zusammenspiel von Form und Geist, die die Kunst zur Religion und die Religion zur Kunst werden lassen. So meint der Betrachter in dem Werk Religion of Art (2012) Anhaltspunkte sakraler Bezüge zu erkennen: Die formgebende Rahmung und Struktur der Bilder ist hierarchisch und symmetrisch aufgebaut und erinnert an ein Retabel. Unverzüglich stellt sich die Frage, ob es die gemachten Erfahrungen sind, die uns entsprechende Eindrücke liefern, oder es Urformen und Strukturen gibt, die a priori bestimmten Ideen entsprechen.
Nach Georg Friedrich Wilhelm Hegel müssen alle Seiten eines Gegenstandes zur Darstellung gebracht werden, um ihn begreifen zu können. Im übertragenen Sinn findet sich dieser Ansatz in der Beziehungssetzung zwischen Skulpturen und Malereien von Wood. Die hölzernen Fundstücke bearbeitet der Künstler so, dass die Form ihrer alten Funktion oder die Rinde erhalten bleiben, zugleich aber das Kernholz sichtbar wird. Im Pinselduktus der Bildwerke vereinen sich Rinden- und Holzstruktur sowie deren Bearbeitung und weisen ebenso auf einen weiteren Aspekt des Holzes: auf seinen lebendigen Ursprung in Form vibrierenden Blattwerks. Der Befund einer gemeinsamen Struktur auf verschiedenen Ebenen klingt an die Vorstellung des Deutschen Idealismus von allgemeingültigen Prinzipen an. Entsprechend dieser bestehenden Verbundenheit zwischen den Dingen sieht Wood seine Werke über die Bildgrenze hinaus in einem fließenden Zusammenhang. Zwischen der skulpturalen Bearbeitung des Materials und der malerischen Transformation in die Zweidimensionalität besteht ein weiterer Schritt in die Vergeistigung. In diesem Verständnis findet eine Annäherung an Hegels drei Sphären von Idee, Natur und Geist statt. Denn mit der Formung der Natur nach der Idee verhilft sich der Geist im Künstler zur Freiheit.
Kunst, Religion und Philosophie führen zusammen zur Aufhebung aller Gegensätze im Totalen. Dominic Wood erreicht die spezielle Leistung die Hegel der Kunst dabei zuspricht: „die sinnliche Darstellung des Absoluten“.
Cora Waschke, März 2012










